Hoffnungsträger sein

Autor: Amelie Rick | 16.12.2025

 

Pünktlich zur Weihnachtszeit flattern sie herein: die Spendenbriefe zahlreicher gemeinnütziger Organisationen, die mit dem Hinweis auf das heilige Fest dazu aufrufen, für die Schwachen der Gesellschaft da zu sein.

Und wie jedes Jahr greifen viele von uns ins Portemonnaie und geben das, was sie zu geben bereit sind. Die, die etwas spenden können, fühlen die wohlige Wärme in ihren Herzen, die sich ausbreitet, wenn sie merken: „Ich kann etwas Gutes bewirken.“ Die wiederum, die nur wenig oder gar nichts geben können, werden nicht von eben dieser Wärme durchflutet. Eher greift da etwas nach ihnen, das ihnen zuflüstert: „Du bist weniger wert, weil Du eigentlich gerade selbst bedürftig bist.“

Wenn wir einmal ehrlich sind, hält uns diese eben beschriebene Situation sehr plastisch den Spiegel vor. Denn sie zeigt uns, dass es Zeiten im Leben gibt. Zeiten des Wohlergehens. Zeiten der Not. Zeiten des Geben-Könnens, Zeiten des Nicht-geben-Könnens. Zeiten des Lachens, Zeiten des Weinens. Zeiten, die sich immer mal wieder abwechseln und sich gegenseitig die Türklinken in die Hand drücken. Und dabei reden wir nicht nur von finanziellen Zeiten. Denn auch wenn man Geld in der Tasche hat, kann das Herz doch innere Not leiden. Genauso wie das Innere voll von Freude und Hoffnung sein kann, obwohl der Geldbeutel ein Loch zu haben scheint. Will sagen: Jeder von uns erlebt mal gute und mal schlechte Zeiten. Und jeder von uns darf sich dessen bewusst sein.

Mal wird es uns so gut gehen, dass wir gerne und freigiebig geben können. Dann sind wir in der glücklichen Lage, jemandem helfend zur Seite zu stehen. Indem wir praktisch mit anpacken, Geld schenken oder einfach nur zuhören und Mitgefühl zeigen. Was für eine schöne und erfüllende Erfahrung! Und mal tauschen wir die Rollen und sind hoffentlich in der ebenfalls glücklichen Lage, jemanden zu haben, der uns praktisch unterstützt, bei uns bleibt, uns verstehend zuhört oder uns einen Schein zusteckt, damit die materielle Not verkleinert wird. Was für eine ebenso berührende und wertvolle Erfahrung!

Ja: Mal werden wir Hoffnungsträger für jemanden sein können. Und mal werden wir einen Hoffnungsträger brauchen, der uns den Glauben an bessere Zeiten zurückschenkt.

Wir tun gut daran, das Leben von diesen beiden Seiten immer wieder kennenzulernen. Denn in beiden von ihnen liegen himmlische Wahrheiten für uns bereit. Wahrheiten, die uns immer wieder erden, erfüllen, trösten, positiv herausfordern und uns auf eine ganz entscheidende Tatsache hinweisen: Wir alle sind bedürftige Wesen. Und in all dieser Bedürftigkeit dürfen wir füreinander da sein und uns miteinander solidarisieren. Denn auch Gott solidarisiert sich mit uns. Mit uns als bedürftige Wesen. Mit uns als unperfekte Menschen.

Er selbst nennt sich genau aus diesem Grund einen Vater der Waisen und Helfer der Witwen (Psalm 68) und spricht davon, dass alle Menschen, die anderen Gewalt antun, Ihn als Schöpfer damit beleidigen. Und noch mehr: Er fordert alle Starken dazu auf, für die Schwächeren da zu sein (Römer 15). Und trägt uns auf, uns für die Unterdrückten der Gesellschaft einzusetzen (Psalm 82). Der Clou an der Sache ist der: Mal sind wir die Starken und mal sind wir die Schwachen. Mal sind wir die Rettenden und mal die Unterdrückten.

Gott weiß um diese Ambivalenzen unserer Lebenszeiten und möchte immer so für uns da sein, wie wir es gerade brauchen. Mal werden wir Ihn als weisen Ratgeber oder leisen Impulsgeber brauchen, der uns zeigt, für wen und wie wir da sein dürfen. Und mal als Tröster und Ermutiger, der uns in Form von lieben Menschen um uns herum begegnen möchte. Denn es stimmt: Hin und wieder werden wir Hoffnungsträger für jemanden sein dürfen und hin und wieder haben wir selbst einen nötig.

Dabei darf sich Hoffnung in all ihren Facetten zeigen: Als Griff zum Telefonhörer oder als eine liebe Nachricht. Als eine finanzielle Überweisung oder eine emotionale Einzahlung auf das Konto des Trostes. Dann wieder bringt die Hoffnung den Müll raus, räumt auf oder kauft ein. Oder hält still eine Hand, wenn Worte und andere Taten an ihre Grenzen kommen. Oder sie zeigt sich als guter Scherz zur richtigen Zeit oder als Helfer, um mal die Perspektive zu ändern. Und manchmal schaut sie einfach nur liebevoll ihr Gegenüber an.

In alledem dürfen wir uns immer bewusst machen, dass die Hoffnung, die wir mal geben und mal brauchen werden, immer einen Namen trägt. Nicht den unseren. Auch nicht den unserer Mitmenschen. Sondern immer den Namen Jesus. Den Namen dessen, der vor rund 2000 Jahren auf diese Welt kam, um Hoffnung für uns zu sein. Damit sie durch Ihn in unseren Herzen Platz nehmen kann. In guten und in schlechten Zeiten. Und in den ewigen…